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Pflegedienst Hartmut Alt


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Die Reise ins Ich…
ein gewaltiges Gedankenexperiment

Wenn man jemanden fragt, wer bin ich, was bin ich,
und wie bin ich, wird man nie eine ehrliche Antwort bekommen.
Was ich jetzt ersinne, müsste jemand sein, der nicht nur unglaublich intelligent ist, ein großes Allgemeinwissen besitzt, viel Computerwissen hat und egomanisch veranlagt ist.
Zunächst wird im Internet kostenlos bei einem Provider ein Forum eingerichtet. Dort platziert man ein Thema, das beispielsweise aus seinem langjährigen Hobby resultiert. Das Forum wird so angelegt, das von Anfang an alles anonym abläuft, und alles in ihm durch mich kontrolliert wird, was dort passiert.
Dann denke ich mir 6-8 Charaktere aus, die ich so ähnlich aus meinem Leben kenne, setze sie mit ihren Avataren und der kurzen Beschreibung ihrer Person ins Forum. Die virtuellen Freunde tragen die Merkmale, die ich mir in meinen Träumen immer ausmale. Ihnen kann ich die Dinge bei Bedarf in den Mund legen, auf die ich für mich selbst eine Antwort brauche. Natürlich sind die virtuellen Freunde keine Langeweiler, sondern haben zu meinen Themen interessantes zu sagen.
Dabei bleiben nicht einmal meine sexuellen Träumereien außen vor.
Angezogen von den virtuellen Freunden, die natürlich immer begeistert auf mich reagieren, und mich glorifizieren kommen auch noch andere Forumsuser von außen dazu. Hier muß ich dann sehr genau aufpassen, dass sie sich nur innerhalb des Forums unterhalten, nach dem Vorbild der virtuellen User, die auch „natürlich“ alle anonym bleiben wollen.
Über mein Hobby, meine Denke im Allgemeinen diskutiere ich dann lang und ausschweifend. Meine virtuellen Freunde fallen mir dabei nie ins Kreuz, und unterstützen meine Meinung stets. Ab und zu lasse ich sie aber auch gegen mich mal patzen.
Dieses Forumsexperiment ist sehr zeitaufwendig, weil ich stets auf dem laufenden sein muß. Daher schalte ich es stundenweise aus, mit dem Hinweis auf Neukonfiguration oder Aufräumen oder ähnliches. Das werden die User verstehen. In dieser Zeit muß ich fleißig lesen, und natürlich neue Texte für meine virtuellen Freunde schreiben, die es ja nicht gibt, und für die ich stets aus möglichst vielen Lebensbereichen, auch möglichst mit etwas Dramatik versehen, eine Story bauen muß.
Um dem ganzen noch einen „wichtigen Pepp“ zu geben, gibt es einen VIP-Bereich, wo natürlich nur meine virtuellen Freunde zugegen sind.
Im Forum gibt es neben den ernsthaften Diskussionsräumen noch Kasino, Cafe´ oder Bar, für den Small-Talk. Wo sich die virtuellen Freunde noch einmal über mich und meine Heldentaten auslassen.
Da ich der Boss im Forum bin, kann ich zu allem natürlich immer „ die Sau rauslassen“ . Unliebsame Gegner werden, wenn ich genug von ihnen über mich erfahren habe, eliminiert. Diese Elimination natürlich gemeinsam mit den virtuellen Freunden höchst demokratisch abgestimmt.
Nun kann ich auch anfangen, die eine oder andere Intrige zu inszenieren, und bekomme so von den „Usern des Außen“ Feeedbacks über meine Person, die ich wie beim Schachspiel auch noch unter einander ausspielen kann.

Wenn ich dann genug von dem Spiel, der Reise ins Ich habe, schließe ich das Forum einfach wieder.
Eine tolle Selbsterfahrung, die den Therapeuten ersetzt.

 

Hartmut Alt